Herbst Synode 2017

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    Mit der Brechstange zum Strukturwandel?

     

    Die Synodale der Evangelisch-reformierten Landeskirche äusserten sich zum neuen Finanzausgleich in der ersten Lesung sehr kontrovers. Bei den Kirchgemeinden zeigt sich ein Strukturwandel an.

    Karin Steffen

    Die Synodalpräsidentin Heidi Steffen plädierte am vergangenen Montagmorgen in ihren Eröffnungsworten der Herbstsynode im Kantonsratssaal in Herisau dafür, nicht immer das Geld in den Vordergrund zu stellen. Mit Blick auf den neuen Finanzausgleich rief sie dazu auf, gemeinsam Lösungen zu finden und offen zu sein für unkonventionelle Wege. «Besinnen wir uns auf das grosse Ganze und verlieren wir den Auftrag der Landeskirche nicht aus den Augen!», fordert Steffen.

    Die möglichen Folgen des neuen Finanzausgleichs

     

    Eine Motion der Kirchgemeinde Appenzell, welche der Kirchenrat an der Sommersynode 2015 erhalten hat, forderte eine Entlastung der Steuerabgaben der Kirchgemeinde Appenzell. Der Kirchenrat erkannte in der Folge, dass der Finanzausgleich generell zu überdenken sei. Die eingesetzte Arbeitsgruppe wurde von Heinz Brunner, ehemaliger Leiter der Stabsstelle Controlling des Kantons AR, und von Werner Nef, Leiter Steueramt AI, unterstützt. Als Grundlage für die Berechnung des Finanzausgleichs gilt neu der Steuerertrag aus der direkten Bundessteuer von natürlichen Personen. Dadurch konnten die kantonalen Unterschiede eliminiert werden, wie Brunner vor den Synodalen ausführte. Die Investitionsbeiträge für Bau und Unterhalt werden im Entwurf nicht mehr berücksichtigt, da diese gemäss Brunner der Willkür Tür und Tor öffneten. Der Entwurf sieht vor, dass kleinere Kirchgemeinden mit unter 1'000 Mitgliedern massiv weniger vom Finanzausgleich profitieren. Kirchgemeinden mit einer überdurchschnittlichen Steuerkraft dagegen werden stärker zur Kasse gebeten. Konkret bedeutet das für die Kirchgemeinden Hundwil 22'000 Franken, Wald 28'000 Franken und Schönengrund gar 41'000 Franken weniger Unterstützung aus dem Finanzausgleich. Im Gegenzug bezahlt die Kirchgemeinde Appenzell rund 40'000 Franken mehr ein. Martin Breitenmoser, Synodale aus Appenzell, bekundete dann auch seine Enttäuschung. Er anerkenne jedoch, dass es die gerechte Lösung nicht gebe. Marcel Steiner aus Schwellbrunn erkennt die Schwierigkeit, die enormen Unterschiede in der Steuerkraft auszugleichen, hat aber Vorbehalte: «Bluten geht, aber verbluten nicht!». Mit dem vorgelegten Entwurf werden die kleinsten Kirchgemeinden sterben, lautete seine Befürchtung. Dieser Meinung schlossen sich viele Wortmeldungen an. Mit der Brechstange einen Strukturwandel zu erzwingen sei keine gute Lösung. Andreas Ennulat, Synodale aus Wolfhalden, forderte die Anwesenden auf, neue und vielleicht auch verrückte Lösungen zu finden, wie die Kirche in den Dörfern in Zukunft gestaltet werden könnte. Die Konsultativabstimmung zeigte, dass eine Mehrheit der Synodalen dem Entwurf trotzdem zustimmte. In der Folge stimmte die Synode knapp dem Antrag von Bernhard Rothen aus Hundwil zu. Er fordert darin den Kirchenrat auf, mit den meist betroffenen Kirchgemeinden bis zur zweiten Lesung an der Sommersynode 2018 «spruchreife Lösungen» zu finden.

    Der Magnet – grösste Kanzel der Landeskirche

    Das Strategiepapier «Finanzen – quo vadis» nahm die Synode in zweiter Lesung zur Kenntnis und wurde mit sämtlichen Sparmassnahmen im Budget 2018 berücksichtigt. Dieses fällt mit einem Ertragsüberschuss von knapp 28'000 Franken um fast 50'000 Franken besser aus als im Vorjahr. Kontrovers diskutiert wurde der Antrag des Kirchenrates zu einem Globalbudget von 150'000 Franken ab dem Jahr 2019 für das Kirchenblatt Magnet. Lars Syring, Synodale aus Bühler und Präsident der Redaktionskommission Magnet, plädierte mit viel Herzblut gegen eine Streichung der Mittel um fast einen Drittel für «die grösste Kanzel unserer Landeskirche». Kirchenrat Koni Bruderer anerkennt die enorme Bedeutung der Kommunikation auf verschiedenen Ebenen und Kanälen. Er stellte dann auch in Aussicht, eine Kommunikationsstrategie zu erarbeiten, in welcher der Magnet eine prominente Rolle spielen werde. Dies aber erst auf 2019. Sigrun Holz weist im Namen des Pfarrkonvents auf die Wichtigkeit eines Instrumentes hin, welches auch Menschen erreiche, die der Kirche fern seien. Schlussendlich folgte die Synode dem Antrag der vorberatenden Kommission, welche das Globalbudget für den Magnet vorsieht aber auch fordert eine Arbeitsgruppe einzusetzen, welche ein Konzept für das Kirchenblatt erarbeitet. Dieses soll an der Sommersynode 2018 zur Entscheidung vorgelegt werden. Die eingesparten Mittel von 50'000 bis 60'000 Franken sollen ausschliesslich der Reduktion des strukturellen Defizits dienen.

    Alle Vakanzen beendet

     

    Die Synode wählte Marcel Steiner aus Schwellbrunn in das Büro der Synode. Andreas Ennulat trat aus der Geschäftsprüfungskommission (GPK) wie auch aus der Projektkommission aus. Den Sitz in der GPK übernahm Martin Breitenmoser, Appenzell. In der Projektkommission nimmt Yrsa Thordardottir, Pfarrerin in Waldstatt, Einsitz. Carlos Ferrer, Grub, wurde in die Redaktionskommission Magnet gewählt.

    Bildlegende:

    An der Herbstsynode stellte die Synode die Weichen für die Zukunft der Evangelisch-reformierten Landeskirche AR/AI.